Sonntag, 24. Februar 2019

[Rezension] Die kleinen Wunder von Mayfair - Robert Dinsdale

INFORMATION

Originaltitel: The Toymakers
Deutscher Titel: Die kleinen Wunder von Mayfair
Genre: Urban Fantasy
Erstveröffentlichung: 2018
Seitenzahl: 450
Verlag: Knaur (Deutsch)

BEWERTUNG


INHALT


Es ist das Jahr 1906. Cathy Wray ist 15 Jahre alt, schwanger und verzweifelt. Da entdeckt sie eine Zeitungsanzeige für eine Stelle als Verkäuferin in Papa Jacks Emporium, dem einzigartigsten und magischsten Spielzeugladen von London, direkt im Herzen von Mayfair. Alleine läuft sie weg und lässt ihr altes Leben hinter sich, um in die magische Welt des Emporiums einzutauchen. Rasch schließt sie das Emporium ins Herz, ebenso wie Kapsar und Emil Godman, die beiden ungleichen Söhne des legendären Spielzeugmachers Papa Jack. Doch zwischen Kapsar und Emil besteht eine lebenslange Rivalität, nicht nur um den Rang des besten Spielzeugmachers und damit dem Anrecht auf das Erbe ihres Vaters, sondern auch um Cathy. Und nachdem Cathy ihr Tochter Martha zur Welt gebracht hat und die Welt in den Schrecken des Krieges versinkt, droht die wachsende Feindschaft der Brüder das Emporium für immer zu zerstören...

MEIN REVIEW


Dieses Buch ist in so vielen Aspekten ungewöhnlich und genauso magisch, wie es klingt! Es ist gleichzeitig hoffnungsvoll und bitter realistisch, fantasievoll und historisch korrekt, es zeigt die hellen wie die dunklen Seiten im Leben. Eine Warnung habe ich allerdings, es ist kein Buch, dass sich einfach in einem Rutsch durchlesen lässt und auch kein Buch, dass sich in einem kurzen Zeitraum abspielt. Es zeigt die Lebensgeschichte von Cathy von einem kleinen Mädchen bis zur alten Frau. Aber dafür ist es ein Buch, dass einem nicht so einfach wieder aus den Gedanken geht.

Cathys verzweifelte Situation als schwangeres, unverheiratetes Mädchen ist nur der Anfang. Man kann ihre Geschichte und damit die Geschichte des Emporiums, der Godman-Brüder und von Papa Jack verfolgen bis zum bitteren (und zum Glück doch schönen) Ende. Dabei erhält man nicht nur einen tiefen Einblick in die Magie, die die Spielzeuge des Emporiums schließlich zum Leben erweckt, sondern auch in Cathys außergewöhnliche Romanze.

Als Hauptfigur mochte ich Cathy sofort. Ebenso Kaspar und Papa Jack, einem ehemaligen Schreiner aus Russland. In der Mitte des Buches wird die Atmosphäre deutlich ernster und erwachsener als Kaspar in den 1. Weltkrieg ziehen muss und traumatisiert zurückkommt. In Folge wird ein Ereignis passieren, dass Cathys Leben für immer prägen wird...

Emil dagegen war eine sehr traurige Figur, nicht unbedingt sympathisch, aber doch nachvollziehbar. Immer musste er im Schatten seines Bruders stehen und konnte nie die Magie bewirken, die Kaspar so mühelos von der Hand geht. Und dann, als Kaspar fort ist, bekommt er endlich alles was er sich ersehnt hat - das Emporium und Cathy an seiner Seite. Und doch gelingt es ihm nicht damit wahres Glück zu finden. Das was er schließlich getan hat, um dieses Glück zu erzwingen, war unverzeihlich.

Die Ideen in diesem Buch haben mich voll überzeugt! Am besten hat mir Sirius, der lebende Patchworkhund gefallen, und natürlich die Spielzeugsoldaten, die plötzlich ein eigenes Bewusstsein entwickelt haben. Dem Autor gelingt es wirklich die Magie in diesem Buch zum Leben zu erwecken und von Anfang bis zum Ende vor historischer Kulisse eine fantasievolle Atmosphäre hervorzurufen. Im Zentrum steht dabei immer die Idee des Spielzeugs, dass die Erwachsenen bezaubern und wieder zu Kindern werden lassen kann.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass mir die Ereignisse manchmal zu gefühllos dargestellt wurden. Da hätte man, gerade im hinteren Teil des Buches, als die Jahre dann recht schnell voranschritten, mehr aus Cathys Perspektive herausholen können. Es war dann doch recht schwer sich plötzlich in sie hereinzufinden, wenn man sie noch von kurz zuvor als Mädchen und Martha als kleines Kind kannte. Aber das wird durch die einzigartige Atmosphäre wieder wettgemacht. Ich kann dieses Buch echt weiterempfehlen, etwas Vergleichbares habe ich noch nie gelesen! Ich fand hier wurde echt eine neue Idee in sehr guter Weise umgesetzt.

Dienstag, 19. Februar 2019

[Rezension] Paradox - Philipp P. Peterson

INFORMATION

Originaltitel: Paradox - Am Abgrund der Ewigkeit
Genre: Science-Fiction
Erstveröffentlichung: 2015, Deutschland
Seitenzahl: 450
Verlag: Self-Published, Bastei-Lübbe

BEWERTUNG


INHALT


Der junge Wissenschaftler David Holmes stößt bei seiner Doktorarbeit auf eine seltsame Anomalie im Flug der Voyager II-Sonde, als der Kontakt zu ihr beim Verlassen des Sonnensystems abreißt. Angeheuert von dem futuristischen Unternehmen Centauri ist er plötzlich Teil einer ehrgeizigen Mission. Unter Führung des vorlauten NASA-Astronauten Ed Walker, dem letzten Kommandanten der verschrotteten ISS, soll eine Crew aus vier Menschen bis zum Rand des Sonnensystems vorstoßen, um den Weg zur interstellaren Raumfahrt zu ebnen. Die Wahrheit, die sie in den Weiten des Alls finden, ist unglaublicher als alles, was die Menschheit ausmacht. Und während ihrer gefahrvollen Mission driftet die Erde langsam auf einen unausweichlichen Atomkrieg zu...

MEIN REVIEW

(VORSICHT: SPOILER!)

Und ich habe ein weiteres Highlight des Monats gefunden! Mit Paradox ist dem Autor ein spannender und philosophischer Hard-SF-Roman gelungen, der eine der wichtigsten Fragen beantwortet, die die Menschheit sich stellen kann: Sind wir allein im Universum?

Das Buch ist sehr wissenschaftlich geschrieben und enthält besonders viele Details zur Raumfahrttechnik und dem Leben eines Astronauten. Das empfand ich als sehr spannend und interessant zu lesen. Bereits am Anfang des Buches kommt eine starke Spannung auf, als Eds letzte Mission auf der ISS geschildert wird, die nach einem Unfall in einer haarscharfen Bruchlandung endet. Danach geht es die erste Hälfte des Buches um die Vorbereitung der neuen Mission und Davids Ausbildung zum Astronauten. Dadurch bekommt einen tiefen Einblick in die Vorgänge hinter den Kulissen der Raumfahrtbehörden.

Auch die zukünftige Weltpolitik fand ich sehr realistisch dargestellt. China und die USA liefern sich einen Kalten Krieg mit Stellvertreterkriegen in Afrika, der allmählich droht in einem heißen Krieg zu enden. Um die Raumfahrt kümmert sich da niemand mehr wirklich, außer das von dem an Elon Musk angelehnten Visionär Wyman geleitete Unternehmen Centauri. Dieses hat es geschafft den bisher theoretischen Antimaterie-Antrieb in die Realität umzusetzen, sodass eine bemannte Sonde in kurzer Zeit bis zum Rand des Sonnensystems und darüber hinaus geschickt werden kann. Die Erläuterungen des Antimaterie-Antriebs sind dabei auch auf den aktuellen Stand der Wissenschaft begründet. Ein großes Lob an den Autor für die detaillierte und wissenschaftlich genaue Umsetzung!

Die zweite Hälfte des Buches befasst sich mit dem Verlauf der Mission. Die dabei aufgeworfenen philosophischen Fragen wurden gut in das Buch eingeflochten. Die Crew entdeckt schließlich eine anscheinend künstlich entstandene Kugel mitten im Weltraum. Kurz darauf bricht der Kontakt zur Erde ab und seltsame Vorfälle häufen sich. Gerade zum Ende hin wurde das Buch dadurch extrem spannend.

Die Hauptcharaktere wurden überzeugend dargestellt. Zwischen dem eher unsicheren, introvertierten David und dem etwas ungehobelten, meinungsstarken Ed bestand ein schöner Kontrast. Beide Charaktere hatten neben der Mission auch mit ihren persönlichen Problemen zu kämpfen. Während David seine Klaustrophobie bezwingen musste, stand Eds Ehe auf dem Spiel. Der Rest der Crew setzte sich aus der homosexuellen Centauri-Ingenieurin Grace und Eds altem ISS-Crewmitglied Wendy zusammen.

Das Ende (Vorsicht: Spoiler !!) hat mir fast am besten von dem Buch gefallen. Es stellt sich heraus, dass unser gesamtes Sonnensystem in eine riesige Dyson-Sphäre aus selbstreplizierenden Nanomaschinen gehüllt ist, die im Inneren einen natürlichen Sternenhimmel projizieren, um zu verbergen, dass bereits alle Sterne der Galaxis in diese Sphären gehüllt sind. Aus diesem Grund können die Signale der interstellaren Sonden nicht mehr zur Erde vordringen. Das fand ich einen sehr unkonventionellen und neuen Ansatz für die Lösung des Fermi-Paradoxons. (Dieses beschäftigt sich mit der Frage, warum die Menschheit immer noch nicht mit Alien-Zivilisationen in Kontakt getreten ist, obwohl die Galaxie von diesen wimmeln müsste.)

Die Sphäre ist von einer außerirdischen, künstlichen Intelligenz bewohnt. Diese enthüllt auch den Nutzen des Netzwerks aus Sphären: Durch ihre gigantische Rechenleistung sollen sie das möglicherweise bald bevorstehende Ende des Universums durch einen Phasenübergang verhindern, indem sie ein neues stabileres Universum erschaffen. Neben diesem Unterfangen scheinen die Probleme der Menschheit zu verblassen. Die Intelligenz interessiert sich weder für das Schicksal der gestrandeten Crewmitglieder, noch das der vor dem Atomkrieg stehenden Menschheit. Als die Crew es wagt ein letztes Signal an die Erde zu übermitteln, werden sie von der Intelligenz getötet. Am Ende stellt sich heraus, dass das Signal nicht vollständig angekommen ist. Allen Verhandlungen zum Trotz tritt der Atomkrieg ein.

Das Schicksal der Menschheit bleibt damit in dieser sehr düsteren, aber leider auch realistischen Zukunftsversion offen. Es würde sich anbieten, eine Fortsetzung der Geschichte zu schreiben, doch auch als Einzelband konnte mich dieses Buch in allen Aspekten überzeugen.

Sonntag, 17. Februar 2019

[Rezension] Selection - Kiera Cass

INFORMATION

Originaltitel: Selection (The Selection #1)
Deutscher Titel: Selection (Selection #1)
Genre: Dystopia, Romance
Erstveröffentlichung: 2012, USA
Seitenzahl: 370
Verlag: Sauerländer (Deutsch)
Reihe: Selection (Teil 1)

BEWERTUNG



INHALT


America Singer aus dem futuristischen Land Illeá wünscht sich nichts sehnlicher als ihren Freund Aspen heiraten zu können. Doch ihr Glück steht unter einem schlechten Stern, denn Aspen gehört einer niedrigeren Kaste an als sie und abseits des Wohlstands der höheren Klassen ist das Leben hart und von Hunger und Arbeit geprägt. Eine einzigartige Chance diesem Schicksal zu entrinnen, bietet sich als Prinz Maxon, der Thronfolger des Landes, nach seiner zukünftigen Königin sucht. Alle Mädchen des Landes können am Casting teilnehmen. America kann es kaum glauben, als sie als eine der 35 Erwählten in den Palast gebracht wird, um den Prinzen für sich zu gewinnen. Von der Idee mit den anderen Frauen um seine Gunst zu buhlen ist sie alles andere begeistert. Bis der Prinz ihr zeigt, dass wesentlich mehr in ihm steckt als ein herablassender Schönling...

MEIN REVIEW


Mit diesem Buch habe ich glaube ich mein Monats-Highlight gefunden. Vom Klappentext her hätte ich gar nicht gedacht, dass mir diese Art von Dystopie so gut gefällt, aber die Geschichte und die Charaktere konnten mich einfach unglaublich mitreißen! Ich kann es gar nicht erwarten, die Fortsetzung zu lesen. Zum Glück ist die Reihe schon vor einigen Jahren erschienen und bereits komplett erhältlich.

Am besten haben mir die zwischenmenschlichen Beziehungen gefallen. Sowohl die Beziehung zwischen Aspen und America, als auch zwischen America und Maxon wirkten sehr authentisch und realistisch. Ich fand es sehr gut geschildert wie America zuerst voller Vorurteile gegen Maxon war, aber dann erkannt hat, dass doch mehr in ihm steckt und dass sie vielleicht doch mehr Gefühle für ihn entwickelt hat als Freundschaft. Auch dass Maxon trotz seiner Gefühle immer noch daran gedacht hat, dass er am Ende die beste Königin für sein Land und sein Volk wählen muss, fand ich bloß realistisch. Gerade das hat ihn sehr verantwortungsbewusst rüberkommen lassen.

Die Charaktere waren mir bis auf Aspen alle sympathisch. Ich hätte zwar gern ein bisschen mehr über Americas Familie erfahren, aber insgesamt waren die Nebencharaktere gut ausgearbeitet. Gerade die anderen Erwählten und ihre Interaktionen mit America empfand ich sehr natürlich, vom Zickenkrieg bis zu den geschlossenen Freundschaften. Auch der Hintergrund von Illeá und das System mit den Kasten und den entsprechenden Regeln fand ich interessant. Mehr hätte ich gern über die beiden verschiedenen Rebellengruppen erfahren, die im Buch auftauchen, aber ich denke, das wird in den Folgebänden noch eine größere Rolle spielen.

Die spannende Handlung lässt einen das Buch nicht aus der Hand legen. Insgesamt ließ es sich schnell und locker in einem Rutsch durchlesen. Americas romantische Verwicklungen stehen im Vordergrund, aber das geht eigentlich schon aus dem Klappentext hervor. Ich bin natürlich ein großer Fan von ihr und Maxon, gerade dass sie ihre Beziehung zuerst als Freundschaft begonnen haben und sich nicht beim ersten Blick ineinander verliebt haben, fand ich so toll an dem Buch. Und das Cover ist echt wunderschön!

Samstag, 16. Februar 2019

[Rezension] Fluss der Wunder - Ann Patchett

INFORMATION

Originaltitel: State of Wonder
Deutscher Titel: Fluss der Wunder
Genre: Science, Adult
Erstveröffentlichung: 2011, USA
Seitenzahl: 380
Verlag: Bloomsbury Berlin

BEWERTUNG


INHALT


Dr. Marina Singh ist 42 Jahre alt und arbeitet bei dem Pharmaunternehmen Vogel als Wissenschaftlerin im Bereich der Pharmakologie, obwohl sie eigentlich Gynäkologin werden wollte. Als ihr Kollege Anders Eckman bei dem Auftrag die eigenwillige Wissenschaftlerin Dr. Swenson, Marinas alte Mentorin, im Amazonasurwald aufzustöbern, stirbt, soll Marina die Wahrheit über seinen Tod herausfinden. Allein bricht sie nach Brasilien zum Stamm der Lakaschi auf, eine Reise, die sie an die Grenze ihrer Fähigkeiten bringen wird und sie mit den Ängsten ihrer Vergangenheit konfrontiert.

MEIN REVIEW


Über dieses Buch habe ich sehr gemischte Gefühle. Erstmal würde ich es weniger als Abenteuerroman, sondern eher als Wissenschaftsroman einstufen. Es werden sehr viele wissenschaftliche Hintergründe angesprochen, unter anderem über die Pharmaindustrie und Pharmaforschung. Da dies meiner Studienrichtung entspricht, habe ich natürlich alle Details verstehen können und hatte auch großes Interesse daran mehr über Dr. Swensons Forschungen zu erfahren.

Ich konnte mich nie entscheiden, ob ich Marina leiden kann oder nicht. Ich finde sie hatte ein sehr trauriges, leeres Leben und hing größtenteils in ihren Erinnerungen an vergangene Ereignisse fest. Im Grunde genommen gibt es nichts in ihrem Leben außer ihrer Arbeit als Wissenschaftlerin und ihrer gefühlslosen Affäre mit Mr. Fox, dem Manager ihres Unternehmens, den sie immer nur beim Nachnamen anspricht und der 20 Jahre älter ist als sie. Ihr indischer Vater war vor vielen Jahren gestorben. Dieser begegnet ihr immer wieder in ihren durch das Antimalariamittel Lariam bedingten Albträumen.

Durch die langwierige Beschreibung von Marinas Gedanken, Albträumen und Alltag gewinnt man zwar einen genauen Einblick in ihr Leben, aber muss sich auch durch einen sehr unspannenden Anfang quälen. Gerade ihre Beziehung mit Mr. Fox empfand ich irgendwie als abstoßend. Aus dem Buch ging hervor, dass Marina wohl gern Kinder und eine Familie gehabt hätte, aber diese Träume nach einem verheerenden Fehler als Geburtsärztin aufgegeben hat. Für Anders hegte sie romantische Gefühle, obwohl er eine Frau und drei Kinder hatte.

Neben Marinas persönlicher Geschichte stand die Forschung an den Lakaschi im Vordergrund. Es stellte sich heraus, dass Dr. Swenson nicht nur an einem Malariaimpfstoff forschte, sondern auch an einem Fruchtbarkeitsmittel, dass es Frauen ermöglichen könnte bis ins hohe Alter Kinder zu kriegen. Dr. Swenson war ohne Zweifel der interessanteste und beeindruckenste, wenn auch nicht sympathischste Charakter in diesem Buch. Inzwischen über 70 Jahre alt hatte diese Ärztin und Ethnobotanikerin ihr gesamtes Leben der Wissenschaft gewidmet und versuchte nun die Entwicklung des Malariaimpfstoffs vor der Pharmaindustrie geheimzuhalten, während sie gleichzeitig ein grauenvolles Selbstexperiment für ihr Fruchtbarkeitspräparat durchführte. Ihr Beispiel entsprach wohl dem Wissenschaftler, der sich selbst komplett für die Forschung aufopfert.

Die Lakaschi, ein Stamm von Amazonas-Ureinwohnern, wurden auch sehr interessant dargestellt. Nach Marinas Ankunft im Urwald benötigt sie eine Weile, um sich an das Leben bei ihnen zu gewöhnen. Das Pharmaunternehmen um Mr. Fox wurde als kapitalistischer Gegenpol zu Dr. Swensons Bemühungen etwas für das Allgemeinwohl zu tun dargestellt. Marina stand irgendwo dazwischen und konnte sich nicht entscheiden, für welche Seite sie arbeiten soll, bis zu dem Punkt, dass es schien als hätte sie überhaupt keine Meinung dazu.

Insgesamt hatte das Buch sehr aktuelle und interessante Inhalte, was die Pharmaforschung und das Leben von Wissenschaftlern im Allgemeinen betrifft. Leider war mir der Anfang viel zu langsam und belanglos und das Ende viel zu schnell. Auch mit Marina als Hauptcharakter konnte ich mich nicht anfreunden, sie war mir oft zu passiv und hatte anscheinend keinerlei Pläne oder Träume für ihre Zukunft. Dementsprechend offen blieb auch das Ende.

Freitag, 15. Februar 2019

[Design] Neuerungen im Februar

Da ich nun endlich Semesterferien habe und auch der Großteil der Klausuren hinter mir liegt, habe ich mich mal hingesetzt und den Blog etwas überarbeitet. Irgendwann würde ich gern noch ein eigenes Favicon haben, aber ansonsten bin ich nun echt zufrieden mit dem Design und plane schon das nächste Projekt. ^-^ Es freut mich unglaublich, dass mein Blog schon ein paar Leser gefunden hat und ich möchte mich an der Stelle mal bei allen bedanken, die bei meinen Posts Kommentare hinterlassen! Damit hätte ich echt nie gerechnet, als ich hier angefangen habe ein bisschen rumzubloggen!

PAGES


Ich habe die Über mich-Seite ein bisschen übersichtlicher in Form eines Interviews gestaltet und außerdem eine Seite hinzugefügt, wo ihr im Speziellen eure Lieblingsgenres durchstöbern könnt. Allgemein gefällt mir das Design von den Seiten nun wesentlich besser. Ich darf nur nicht vergessen, die Übersichten immer zu aktualisieren, wenn ich neue Rezensionen hochlade. ^^

SIDEBAR


Im Großen und Ganzen habe ich etwas aufgeräumt und mir eine schöne neue Leiste mit Follow-Me-Buttons zugelegt. Da ich eigentlich nicht so der Social (Media) Butterfly bin, gibt es da nur LovelyBooks, GoodReads, Blogger und den obligatorischen RSS-Feed. Ich bin immer noch am Überlegen, ob ich mir wieder einen Instagram-Account zulegen sollte, aber ich bin auf Social Media eigentlich immer schrecklich inaktiv. Oder vergesse mein Passwort nach einiger Zeit. :D Außerdem gibt es eine kleine Erklärung zu meinen Übersichtsseiten und mein Blogroll sieht endlich wie ein Blogroll aus!

REZENSIONEN VOM ALTEN BLOG


Ich habe es endlich geschafft, die Rezensionen von meinem alten (nicht mehr existierenden) Blog auf diesem Blog hochzuladen. Falls irgendwer Interesse hat, in denen ein bisschen zu stöbern, habe ich sie unten verlinkt. Da ich für einige Jahre auch überhaupt nicht gebloggt habe, gibt es auch einige Bücher, zu denen ich immer noch eine Rezension schreiben könnte, wenn ich irgendwann mal die Motivation finde. Eigentlich sind alles davon Science-Fiction-Bücher.

Donnerstag, 14. Februar 2019

[Rezension] Die Gustloff - Tatjana Gräfin Dönhoff

INFORMATION

Originaltitel: Die Gustloff
Genre: Historical Fiction
Erstveröffentlichung: 2010, Deutschland
Seitenzahl: 320
Verlag: Bloomsbury

BEWERTUNG


INHALT


Am 30. Januar 1945 ereignet sich das verlustreichste Schiffsunglück in der Geschichte der Menschheit. Das deutsche Passagierschiff Wilhelm Gustloff wird von russischen Torpedos getroffen und versinkt innerhalb von einer Stunde in der Ostsee. An Bord befanden sich 10000 Besatzungsmitglieder und verzweifelte Flüchtlinge, größtenteils Frauen und Kinder aus Ostpreußen. Nur knapp mehr als 1000 von ihnen überleben das Unglück. Dieses Buch erzählt die Geschichte des Untergangs aus Sicht des fiktiven Kapitäns Helmut Kehding; seiner Geliebten, der Marinehelferin Erika Galetschky; seines Bruders Harald Kehding, einem U-Boot-Kommandanten; und der Flüchtlingsfamilie um Lilli Simoneit.

MEIN REVIEW


Nachdem mir Die Flucht von Tatjana Gräfin Dönhoff so gut gefallen hat, habe ich gleich ein zweites Buch von ihr gelesen. Erneut handelt sich sich um die Romanfassung des gleichnamigen Films, den ich allerdings auch nicht gesehen habe. Ich muss sagen, dass mich das Thema des Buches gleich gepackt hat. So oft liest man etwas von der Titanic, doch diese viel schwerwiegender Katastrophe schien im Gegenzug fast in Vergessenheit geraten zu sein.

Auch dieses Buch hat mir sehr gefallen, obwohl "Die Flucht" meiner Meinung nach ein bisschen besser geschrieben war. Die Handlung der beiden Bücher ergänzt sich perfekt, da die Reise der Gustloff eng verknüpft mit der Flucht der Bewohner aus Ostpreußen ist. Kurz vor Ende des Krieges versuchen Hunderttausende von Menschen aus diesen Gebieten vor der Roten Armee zu flüchten. Die Gustloff war eines der Schiffe, die diese Verzweifelten aufnehmen und in Sicherheit bringen sollte. Im Buch erhält man einen sehr guten Einblick in die Verhältnisse am Ende des Zweiten Weltkriegs und wie tief die Verzweiflung der Menschen war. Ein echt beeindruckendes Stück Geschichte, das hier dargestellt wurde!

Die Protagonisten waren mir gleich sympathisch. Besonders das Schicksal der Simoneit-Familie hat mich gepackt, denn Lilli muss nicht nur den Tod ihrer erfrorenen kleinen Tochter verkraften, sondern auch dass ihr 15-jähriger Sohn Kalli versucht wird von der Wehrmacht einzuziehen und an die Front zu schicken. Auch Helmut und Erika waren sehr sympathische Charaktere, während Harald ebenso wie Lilli ein schlimmes, vom Krieg gezeichnetes Schicksal plagte.

Ein Problem dieses Buches waren die sehr verwirrend geschriebenen multiplen Perspektiven. Gerade Korvettenkommandant Petri und U-Boot-Kommandant Harald Kehding konnte ich manchmal nicht auseinanderhalten. Dazwischen wurden auch immer wieder Szenen aus der Sicht von Nebencharakteren geschildert, sodass man sehr leicht den Überblick verliert. Man konnte sich zwar gut in die Charaktere hineinversetzen, aber für mich waren diese dauernden Perspektivwechsel und multiplen Handlungsstränge einfach zu viel. Zwischendurch wirkte das Buch dadurch sehr hektisch. Fast hätte ich deswegen sogar nur 3 Sterne gegeben, aber die sehr spannende Handlung macht es am Ende doch wieder wett.

Auch gestört hat mich das manchmal etwas künstlich wirkende Drama. Während ich die Situation von Lilli und auch der schwangeren Marianne, die beim Untergang in den Wehen lag, authentisch geschildert fand, hat mich das Drama um Erika am Anfang etwas ermüdet. Nicht nur, dass ihr ein Haufen Privilegien zugestanden wurde, nur weil sie die Hauptperson war, sondern da war auch noch ihr verräterischer Cousin und ihre böse Vorgesetzte und ihr übermäßiger Helferdrang, der sie immer wieder in Schwierigkeiten gebracht hat. Insgesamt hätte man die Geschichte des Untergangs besser verpacken können, aber ich kann das Buch trotzdem sehr weiterempfehlen.

Noch eine kleine historische Anmerkung: Warum wurde dem Titanic-Unglück nun so viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt? Wirklich zu vergleichen sind die beiden Unglücke nicht, denn das Sinken der Gustloff ereignete sich in Kriegszeiten und war einem direkten Angriff geschuldet. Als größtes Unglück in Friedenszeiten stach die Titanic somit heraus. Auch die magische Atmosphäre des Edwardianischen Zeitalters und die Klassenunterschiede so dicht auf einem Schiff lassen sich nur auf der Titanic finden. Zudem sich sehr viele bedeutende Persönlichkeiten der 1910er auf der Titanic befanden. Dennoch fand ich es sehr gut, dass auch diesem Kriegsunglück mal Aufmerksamkeit geschenkt wurde!

Montag, 11. Februar 2019

[Rezension] Das Juwel (Die Gabe) - Amy Ewing

INFORMATION

Originaltitel: The Jewel (The Lone City #1)
Deutscher Titel: Das Juwel - Die Gabe (Das Juwel #1)
Genre: Dystopia, Young Adult
Erstveröffentlichung: 2014, USA
Seitenzahl: 450
Verlag: FJB (Deutsch)
Reihe: Das Juwel (Teil 1)

BEWERTUNG


INHALT


Die Welt von Violet Lasting ist in mehrere Bezirke unterteilt - den Bezirken der Armen, wo sie geboren wurde, und dem Juwel, wo die mächtigen Herzoginnen und Fürstinnen herrschen. Weil Violet über eine magische Gabe verfügt, wurde sie von ihrer Familie getrennt und zum Surrogat ausgebildet. Ihr Schicksal ist es auf einer Auktion an eine der Adligen versteigert zu werden, um in ihrem Schloss zu leben - und ein Kind für sie auszutragen, das sie mit ihren magischen Fähigkeiten beeinflussen kann. Ihres freien Willens beraubt wird Violet von der Herzogin vom See ersteigert. Doch erst als sie Gefühle für Ash, den gekauften Gefährten der Nichte der Herzogin entwickelt, will sie nichts mehr als aus dieser Welt ausbrechen.

MEIN REVIEW


Wie immer hat mich die Idee des Buches angezogen. Dass die Surrogate in Violets Welt nicht mehr über ihren eigenen Körper verfügen dürfen, ist ein grausames Schicksal und ich musste auch unwillkürlich mit Violet mitfiebern, nachdem sie versteigert wurde.

Doch das Worldbuilding war mir bei diesem Szenario viel zu schwach. Man erfährt nichts darüber wie diese merkwürdige Stadt entstanden ist oder wie die Herzoginnen und Fürstinnen an die Macht kamen oder was es mit dieser magischen Gabe auf sich hat. Man wird einfach in die Geschehnisse hineingeworfen, was in manchen Büchern gut ist, aber in Dystopien oft langweilig. Gerade wenn so viele neue und fantasievolle Elemente eingeführt werden, will man auch irgendwie wissen, wie es dazu kam, nachdem unsere Welt nicht mehr existiert.

Vielleicht war ich auch einfach zu alt für dieses Buch. Es schien an kleine Mädchen gerichtet zu sein, die gern über einen Charakter lesen, der sehr lange damit beschäftigt ist hübsche Kleider und Schmuckstücke anzulegen und sich auf den ersten Blick in einen fremden Kerl zu verlieben. Auch die Aufmachung des Buches mit dem Charakterverzeichnis am Ende wirkte sehr kindlich. Im Kontrast dazu stand das sehr ernste Thema mit der Zwangsschwangerschaft, die im Laufe des Buches auch eingetreten ist. Von daher bin ich irgendwie zwiegespalten, an welche Leserschaft das Buch gerichtet war.

Die Handlung war spannend, aber oft flach. Das mit den Gefühlen zwischen Violet und Ash ist mir leider viel zu schnell gegangen, und für viele Geschehnisse gab es eine zu einfache Erklärung, sodass die Geschichte am Ende unglaubwürdig schien. Sehr enttäuschend war auch das Ende, denn es handelte sich um einen kompletten Cliffhanger. In dem Sinne, dass man das Buch nicht in irgendeiner Weise als abgeschlossen betrachten konnte, eher als den ersten Teil eines Buches, das in eine Serie aufgespalten wurde, um den Gewinn zu steigern. Das fand ich dann schon etwas ärgerlich. Ich hab echt nichts gegen Reihen, aber ich finde jedes Buch sollte zumindest ein bisschen in sich abgeschlossen sein.

Sonntag, 10. Februar 2019

[Rezension] Nacht ohne Sterne - Gesa Schwartz

INFORMATION

Originaltitel: Nacht ohne Sterne
Genre: Urban Fantasy, Young Adult
Erstveröffentlichung: 2015, Deutschland
Seitenzahl: 550
Verlag: CBT

BEWERTUNG


INHALT


Naya lebt als Tochter einer Elfe und eines Menschen zwischen den Welten. Im Antiquariat ihres Vaters wächst sie unter der Obhut einer Fee und des Lichtelfen Jaron, ihres besten Freundes, auf. Schon früh hat sie gelernt sich vor den Bharassar, den gefährlichen Dunkelelfen aus der Unterwelt, zu fürchten. Doch dieses Bild wandelt sich als sie den Dunkelelfen Vidar kennenlernt, der ihre Träume stehlen wollte. Als Naya sich als die Erbin Lyrions entpuppt, der Einzigen, die die Grenze zwischen dem Reich der Licht- und der Dunkelelfen erneuern kann, wird sie in einen jahrhundertealten Krieg hineingezogen. Sie muss eine Entscheidung treffen: Soll sie ihrem Kindheitsfreund Jaron vertrauen? Oder doch Vidar, der eine dunkle Anziehungskraft auf sie ausübt?

MEIN REVIEW


Mich hat das Buch vor allem durch das schöne Cover angezogen. Da die Protagonistin eigentlich als Brillenträgerin beschrieben wurde, war es dann doch irgendwie unpassend, aber die Geschichte hat mich trotzdem in ihren Bann gezogen.

Naya ist eine sympathische Protagonistin und tritt Gefahren sehr furchtlos und entschlossen entgegen. Auch Jaron und Vidar haben mir gefallen, obwohl sie das typische Liebesdreieck gebildet haben und es rasch klar war, wer Naya am Ende kriegen wird. Die Geschichte spielte zu einem großen Teil in der wunderschön beschriebenen Elfenwelt und war damit auch eher in die High Fantasy einzuordnen. Ich hatte zwar mit einer Geschichte gerechnet, die mehr mit der Menschenwelt zu tun hat, aber die von Gesa Schwartz erfundene Fantasywelt hat mir auch wahnsinnig gut gefallen.

Warum vergebe ich also nur drei Sterne, wenn die Geschichte so gut war? Das Buch war leider sehr zäh zu lesen. Die Autorin hat einen sehr bildgewaltigen, verschnörkelten Schreibstil. Einerseits fand ich den echt toll und einzigartig, denn man konnte sich die Szenen sehr genau vorstellen. Andererseits gibt es Grenzen wie oft man Metaphern und Ausschmückungen verwenden sollte bevor es den Lesefluss stört und die Autorin hat diese Grenzen öfters überschritten. Jedes Mal, wenn Magie angewandt wurde, erstreckten sich die metaphorischen Ausschmückungen dieser Szenen über mehrere Seiten. Dasselbe galt für die Traumwelten, die Vidar erschaffen hatte, und sämtliche weitere Eindrücke der Protagonistin.

Nach einiger Zeit wurde es etwas ermüdend diese Ausschweifungen zu lesen. Vor allem, da immer dieselben Worte (Flammen, Kristalle, Finsternis) in den verschiedensten Analogien verwendet wurden. Obwohl die Handlung nie unspannend war, musste ich mich dadurch immer wieder durch die Szenen quälen. An manchen Stellen habe ich sogar gar nicht mehr verstanden, was eigentlich passiert, weil sich die Geschehnisse in den Detailbeschreibungen verloren haben.

Ich würde das Buch daher nur Lesern empfehlen, die Gefallen an einem solchen Schreibstil finden. Das Traurige ist, dass es mir eigentlich gerade gefällt, wenn ein Buch sehr poetisch und metaphorisch geschrieben ist. Aber hier war es selbst mir zu viel. Irgendwann wollte ich nur noch weiterblättern, um endlich etwas Substantielles lesen zu können. Dennoch möchte ich den Schreibstil der Autorin und ihre wunderschön gesponnene Geschichte über eine magische Welt loben. Als geduldigere Leserin hätte ich diesem Buch vermutlich 5 Sterne gegeben.

Freitag, 8. Februar 2019

[Rezension] Wütender Sturm - Victoria Aveyard

INFORMATION

Originaltitel: War Storm (Red Queen #4)
Deutscher Titel: Wütender Sturm
Genre: Dystopia, Young Adult
Erstveröffentlichung: 2018, USA
Seitenzahl: 780
Verlag: Carlsen (Deutsch)
Reihe: Die Farben des Blutes (Teil 4)

BEWERTUNG


INHALT


Nach Prinz Cals Verrat findet sich Mare in einem Gewirr aus politischen Intrigen wieder. Die Scharlachrote Garde und die Republik Montfort stehen an ihrer Seite, doch wird sie es schaffen die Verhältnisse in Norta nachhaltig zu ändern? Iris, Prinzessin der Lakelands, muss dagegen allein am Hof von König Maven die Interessen ihres Landes wahren und ihre gefährliche Mission in die Tat umsetzen. Evangelina, erneut verlobt mit Cal, weiß dass ihr Herz einer anderen gehört, doch ist gezwungen dem Ruf der Pflicht zu folgen. Der Krieg um Norta, ein zerrissenes Land, ist unausweichlich. Wer wird am Ende siegreich sein?

ANDERE BÄNDE DER REIHE











MEIN REVIEW


Ich hatte wirklich überlegt, ob ich Wütender Sturm überhaupt lesen will, nachdem ich den Goldener Käfig als sehr schwach empfunden habe. Schließlich wollte ich dann doch wissen, wie es ausgeht. Bereut habe ich es nicht mich durch den 800-seitigen Wälzer zu quälen, aber als besonders spannend habe ich es auch nicht empfunden.

Im Grunde genommen litt dieses Buch an denselben Fehlern wie der dritte Teil. Zu viele Füllkapitel, zu viele verworrene Nebenhandlungsstränge und eine abwechselnd stockende und zu schnell voranschreitende Handlung, dazu ein farbloser, uninspirierender Schreibstil. Ich bin froh, dass ich eine Meisterin im Speedreading bin, wenn es drauf ankommt, denn so konnte ich die Füllkapitel nur überfliegen.

Die Autorin hat versucht, ähnlich wie bei Game of Thrones, durch multiple Perspektiven einen Überblick über die politische Lage im Land zu geben. Leider ist es ihr nicht gelungen dieselbe Spannung aufkommen zu lassen. Mare steht nicht mehr im Mittelpunkt der Handlung, stattdessen ist die Hälfte des Buches aus der Perspektive von Iris und Evangelina geschrieben, was die Handlung vor allem in der ersten Hälfte des Buches extrem stagnieren ließ. Ich fand das nicht einmal eine schlechte Idee, gerade Iris fand ich einen ziemlich gut gelungenen Charakter, aber es ist einfach nichts passiert, dass als Leser mein Interesse wecken konnte.

Da der Fokus auf den politischen Ereignissen lag, kamen andere Aspekte der Reihe ziemlich kurz. Mare hat mir als Charakter besser gefallen als im letzten Teil, doch auf ihre vorhandenen oder eher nicht vorhandenen Gefühle für Cal oder Maven wurde kaum noch eingegangen. Vermutlich sollte die Aussage des Buches sein, dass es im Krieg wichtigere Dinge gibt als Liebe, aber da die Reihe als eine Art Liebesgeschichte begonnen wurde, hat mich diese Entwicklung dann irgendwie doch enttäuscht.

Genauso verhielt es sich mit den Nebencharakteren der vorherigen Bücher. Von Cameron, deren Perspektive ich im dritten Teil so mochte, hat man weder etwas gesehen noch gehört, es schien als würde dieser Charakter gar nicht mehr existieren. Was meine Vermutung, dass ihre Perspektive nur ein Plot Device war, um die Sicht der Rebellen zu schildern, bestätigt. Ähnlich ergeht es Farley, Kilorn, Jon, Mares Familie und den unzähligen blass gezeichneten Neublüter-Charakteren.

Gut gefallen hat mir die realistische, düstere und mehr dystopische Atmosphäre dieses Buches. Es herrscht Krieg, jede Fraktion denkt an ihr eigenes Wohl und Verrat ist an der Tagesordnung. Da muss ich der Autorin echt gratulieren, sie hat vom ersten Buch der Reihe an einen ziemlichen Fortschritt in dieser Darstellung gemacht. Auch die starken Frauencharaktere - Iris, Evangelina und endlich auch Mare - in diesem Buch haben mir gefallen.

Das Ende (Achtung: Spoiler !!) fand ich eher antiklimaktisch. Mavens Gefangennahme durch Iris' Verrat war gut gemacht, aber danach passierte genau dasselbe wie nach Mares Gefangennahme in "Goldener Käfig": Die beiden ignorieren sich mehr oder minder. Es gab leider keine wirkliche Auflösung zwischen ihnen. Am Ende wurde Maven einfach wie ein reiner Antagonist dargestellt, als er Mare töten wollte. Was sehr enttäuschend war, nachdem er sich zu einem so komplexen Charakter entwickelt hat. Dass er danach sterben muss (durch Mares Hand) war klar, und auch irgendwie enttäuschend. Ich hatte mir eine bessere Auflösung erhofft. Das Ende zwischen Cal und Mare fand ich dagegen passend. In ihrer gesamten Beziehung seit dem ersten Teil haben sie ihre politischen Ziele über den anderen gestellt, also war es nicht verwunderlich, dass Mare sich am Ende von ihm verabschiedet und weggeht. Auch gut gefallen hat mir die Beziehung zwischen Cal und Maven und dass Cal seinen Bruder immer noch irgendwie schützen wollte.

MEINE SCHLUSSGEDANKEN ZUR REIHE


Ich bin sehr zwiegespalten über diese Reihe. Ich fand die Idee und die Handlung unglaublich gut, aber leider nicht so gut umgesetzt. Dazu konnte ich einfach nicht mit der Protagonistin warmwerden. Insgesamt würde ich sagen, dass es besser gewesen wäre, wenn die Autorin den dritten und vierten Teil in einem Buch zusammengefasst hätte, indem sie die ganzen Füllkapitel und unnötigen Perspektiven weglässt und sich auf das Wesentliche konzentriert. Die letzten beiden Bücher fand ich sehr aufgebauscht.

Donnerstag, 7. Februar 2019

[Rezension] Goldener Käfig - Victoria Aveyard

INFORMATION

Originaltitel: King's Cage (Red Queen #3)
Deutscher Titel: Goldener Käfig
Genre: Dystopia, Young Adult
Erstveröffentlichung: 2017, USA
Seitenzahl: 640
Verlag: Carlsen (Deutsch)
Reihe: Die Farben des Blutes (Teil 3)

BEWERTUNG


INHALT


Um das Leben ihrer Freunde zu retten, wurde Mare eine Gefangene ihres ehemaligen Verlobten, König Maven. Eingesperrt und ihrer Fähigkeiten beraubt muss sie lernen am Hof des instabilen Königs zu überleben. Währenddessen versucht der Prinz Cal alles, um die Blitzwerferin zurückzuholen. Doch die Scharlachrote Garde verfolgt eigene Interessen und neue Parteien schalten sich ein: Cals Großmutter Königin Anabel und die geheimnisvolle Republik Montfort in den Bergen, ein Ort an dem Neublüter, Rote und Silberne gleichgestellt sind. Cal muss eine Entscheidung treffen: Will er seine Krone zurück oder Mare?

ANDERE BÄNDE DER REIHE











MEIN REVIEW


Die Bücher in dieser Reihe werden zwar länger, aber nicht unbedingt besser. Während der zweite Teil zumindest noch mit einer schnell voranschreitenden, spannenden Handlung glänzen konnte, ist in diesem Buch größtenteils nicht viel passiert.

Mare war zum Glück nicht so unerträglich wie in Gläsernes Schwert. Natürlich tat sie sich immer noch selbst leid, doch ihre Egozentrik wurde in Goldener Käfig durch das Nichtstun ersetzt. Die erste Hälfte des Buches bestand zu 80% daraus, dass Mare in ihrem Zimmer sitzt und die Wand anstarrt. Gelegentliche uninteressante Interaktionen mit Evangelina und Maven konnten die Spannung auch nicht aufkommen lassen. Dabei hätte die Autorin Mares Situation so gut umsetzen können. Ihre Auseinandersetzung mit Maven beschränkt sich allerdings auf ein Minimum, da dieser sie einfach in Ruhe lässt für die meiste Zeit.

Maven war der interessanteste Charakter in diesem Buch. Man konnte ihm seine Zwiegespaltenheit über Mare deutlich anmerken. Da Mare (wie die meisten selbstbezogenen Menschen) allerdings völlig unempathisch war, konnte dieses Potential nicht wirklich genutzt werden. Im Großen und Ganzen haben die beiden sich meist gegenseitig ignoriert. Ich hatte mir einfach mehr gewünscht, nachdem im vorherigen Band Mavens Obsession mit Mare zum Vorschein kam und sie am Ende seine eigene Mutter umgebracht hat. Mit dieser Vorgeschichte hätte man echt viel aus ihrer Beziehung machen können, doch stattdessen geschieht nichts Interessantes zwischen ihnen. Mare hasst Maven und dabei bleibt es.

Die übermäßige Länge des Buches ist vor allem dadurch zu erklären, dass es in mehreren Perspektiven geschrieben ist. Da wäre zum ersten Camerons Perspektive, was mich sehr gefreut hat, da sie im letzten Buch zu meinen Lieblingscharakteren gehört hat. Und dann - sehr überraschend - Evangelinas Perspektive, die mit einem Mal ein ziemlich gut ausgearbeiteter und komplexer Charakter wurde. Für beide Entwicklungen kriegt die Autorin mein Lob! Leider verstand sich die Autorin nicht gut darauf aus mehreren Perspektiven zu schreiben, denn sie klangen fast genauso wie Mares Perspektive, was gerade in der Ich-Perspektive sehr auffällig ist. Beide Perspektiven wirkten leider auch nur wie ein Lückenfüller, um die Geschehnisse bei den Rebellen zu beschreiben, während Mare weg ist.

Die Handlung war wieder gut gestaltet, doch der Schreibstil der Autorin konnte sie nicht gut rüberbringen. Die Intrigen und geheimen Bündnisse der Parteien blieben leider im Hintergrund, stattdessen wurden viele Seiten für Mares Nichtstun und belanglos geschriebene Actionszenen verschwendet. Cals Entscheidung am Ende kam nicht überraschend und Mares relativ emotionslose Aufnahme dieser Entscheidung auch nicht. Der gesamte Endteil mit Mares Training wirkte dabei auch nur wieder wie ein Lückenfüller, um ihre Beziehung mit Cal zu erneuern.

Ich weiß auch nicht genau, was ich über dieses Buch denken soll. Zweifelslos gab es wieder viel verschwendetes Potential. Die unterliegende Handlung war spannend, aber es kamen einfach keine Gefühle auf. Am Ende war es mir egal, was mit den Charakteren passiert und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das letzte Buch der Reihe überhaupt lesen will.

Mittwoch, 6. Februar 2019

[Rezension] Atlantia - Ally Condie

INFORMATION

Originaltitel: Atlantia
Deutscher Titel: Atlantia
Genre: Dystopia
Erstveröffentlichung: 2014, USA
Seitenzahl: 400
Verlag: FJB (Deutsch)

BEWERTUNG


INHALT


Rio und ihre Zwillingsschwester Bay leben in der Unterwasserstadt Atlantia. An ihrem 17. Geburtstag haben alle Bewohner die Möglichkeit eine Entscheidung zu treffen: Bleiben sie für immer im Unten oder gehen sie in das geheimnisvolle Oben, die Welt über der Wasseroberfläche, in der sie ein hartes Leben in der verschmutzten Atmosphäre führen werden. Rio wünscht sich nichts sehnlicher als ins Oben zu gehen. Doch dann stirbt ihre Mutter, die Hohepriesterin Ozeana, und Bay wählt aus unerklärlichen Gründen zusammen mit ihrem Freund Fen das Oben. Und von zwei Geschwistern darf nur eine ins Oben gehen. Mit einem Mal von allen Menschen verlassen, die sie geliebt hat, bleibt Rio allein in Atlantia zurück und hat nur ein Ziel - ihrer Schwester ins Oben folgen. Mit der Hilfe von True, dem besten Freund von Fen, versucht sie ihren waghalsigen Plan in die Tat umzusetzen und stößt dabei auf ein Geheimnis, von dem das Schicksal von Atlantia abhängt.

MEIN REVIEW


Nachdem ich von Ally Condies Die Auswahl nicht so begeistert gewesen war, habe ich mit Atlantia eine positive Überraschung erlebt! Dieses Buch war meiner Meinung nach echt um Längen besser als ihre Erfolgsserie und ich finde es schade, dass es nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen hat.

Zuerst einmal hat die Autorin mit Atlantia eine einzigartige Welt erschaffen. Die Art und Weise in der Atlantia beschrieben wurde, hat mir sehr gefallen. Von der Religion mit den Meeresgöttern bis zu den Problemen, die es mit sich bringt, wenn Menschen permanent unter Wasser leben, hat sie ihre Idee sehr überzeugend dargestellt. Bereits von der ersten Seite an hat mich die Unterwasserstadt in ihren Bann gezogen. Auch die Idee von den Sirenen und ihren Fähigkeiten mochte ich sehr. Atlantia war mal eine andere Idee, nicht die typische Dystopie, die man in Massen in den Bücherregalen findet.

Auch die Hauptfigur Rio mochte ich sehr. Sie war eine starke und zielstrebige Person, die sich durch nichts aufhalten ließ, um ihr Ziel zu erreichen und an sich selbst geglaubt hat. Man hat deutlich gemerkt, wie sehr sie ihre Zwillingsschwester liebt. Ihre zögerlichen Gefühle für True und ihre zwiespältige Meinung über Maire, die Sirenen-Schwester ihrer Mutter, fand ich auch gut umgesetzt. Gerade, dass sie True trotz ihrer Gefühle für ihn, manchmal nicht die Wahrheit gesagt hat und ihn ausnutzen wollte um sich selbst zru Flucht zu verhelfen, fand ich sehr realistisch. Sie kannten sich eben erst seit kurzer Zeit und ihre Verbindung zu Bay war viel tiefgreifender und wichtiger als die neue Verbindung zu True.

Die Auflösung am Ende lässt keine Fragen offen. Endlich mal ein Buch, dass ohne eine endlose Reihe von Fortsetzungen und Cliffhangern auskommt! Das Wiedersehen zwischen Bay und Rio war sehr gut geschrieben und die Idee, dass sich Atlantia inzwischen im Verfall befindet und gar nicht mehr das Refugium für die Menschen von Oben ist, dass es einst war, fand ich auch richtig gut.

Es war eine schöne, in sich geschlossene Geschichte, die sich an einem Nachmittag durchlesen lässt und den Leser in eine Welt unter dem Meeresspiegel entführt. An manchen Stellen hätte die Autorin mehr Hintergrund einfügen können, es war echt ein kurzes Lesevergnügen, aber dafür ließ es sich sehr flüssig lesen. Ich kann das Buch echt weiterempfehlen!

Sonntag, 3. Februar 2019

[Rezension] Gläsernes Schwert - Victoria Aveyard

INFORMATION

Originaltitel: Glass Sword (Red Queen #2)
Deutscher Titel: Gläsernes Schwert
Genre: Dystopia, Young Adult
Erstveröffentlichung: 2016, USA
Seitenzahl: 570
Verlag: Carlsen (Deutsch)
Reihe: Die Farben des Blutes (Teil 2)

BEWERTUNG


INHALT


Nachdem Mare, die Blitzwerferin, und Cal, der verbannte Prinz, aus der Knochenarena gerettet wurden, wird ihnen keine Pause gegönnt. Zum Stützpunkt der Scharlachroten Garde gebracht, wird ihnen klar, dass sie schnell handeln müssen, wenn sie die Neublüter retten wollen. Denn auch der neugekrönte König Maven ist im Besitz der Namensliste und er wird keine Mittel scheuen, um Mare zurück an seine Seite zu bringen.

ANDERE BÄNDE DER REIHE











MEIN REVIEW


Nach einem soliden Reihenauftakt habe ich nun mit Gläsernes Schwert die Fortsetzung von Die rote Königin gelesen. Manches wurde besser gemacht im ersten Teil, manches hat mir aber auch verstärkt nicht gefallen, weswegen ich wieder nur drei Sterne vergeben kann.

Mein größtes Problem blieb, wie in meiner letzten Rezension prophezeit, Mare Barrow. Ich glaube ich habe noch nie eine Dystopie mit einer so unsympathischen, egozentrischen Protagonistin gelesen. Im ersten Buch war es schon schlimm, doch in diesem Teil übertrifft Mare sich mal wieder selbst. Ich habe das Gefühl 50% des Buches bestanden aus Mares sich im Kreis drehenden Gedanken über ihr eigenes schreckliches Schicksal und was nun Cal oder wahlweise Maven von ihr wollen und wie sehr ihr das nicht in den Kram passt. Dass das Buch aus der Ich-Perspektive geschrieben ist, hat das Ganze noch unerträglicher gemacht. Ich konnte beim Lesen immer nur wieder den Kopf schütteln über ihre Persönlichkeit. Den größten Teil der Zeit tat sie sich einfach selbst leid.

Dabei war die Handlung richtig gut in diesem Buch. Die Idee mit den Neublütern und dass Mare sie rechtzeitig finden und ausbilden muss fand ich echt interessant. Auch dass Maven nicht von ihr ablassen kann und ihr diese kleinen Briefe schreibt, nachdem er sie am Ende des ersten Teils hinrichten wollte, hat mir richtig gut gefallen.

Leider kam die Idee mit den Neublütern überhaupt nicht zur Geltung, da Mares Gedanken zu sehr im Vordergrund standen. Die Autorin hätte diese Idee so gut umsetzen können, denn auch die Fähigkeiten, die sie sich für die Neublüter ausgedacht hat, waren sehr interessant. Stattdessen bekommt man das Gefühl, die Geschehnisse im Buch seien nur der Träger für Mares gedankliches Chaos und ihre zwiegespaltenen Gefühle. Die eingeführten Neublüter-Charaktere bleiben ebenso schwach gezeichnet wie die Nebencharaktere im ersten Buch. Man erfährt kaum etwas über ihren Hintergrund und ihre Fähigkeiten und da die Autorin sie ebenso schnell sterben lässt, wie sie eingeführt werden, wirken sie absolut austauschbar und unwichtig. Ich hätte echt gern mehr über Ada mit dem einzigartigen Gedächtnis oder den Seher Jon erfahren.

Damit kommen wir auch zum größten Lichtblick in diesem Buch: Cameron. Ich glaube ich habe meine neue Lieblingsfigur gefunden. Erst 15 Jahre alt und aus einem der schlimmsten Orte von Norta, wird sie von Mare gezwungen sich den Neublütern anzuschließen, weil sie über eine einzigartige Fähigkeit verfügt. Ich fand es richtig gut wie sie Mare immer die Meinung gesagt hat und auch sonst keine Lust hatte nach ihrer Pfeife zu tanzen.

Die im Buch enthaltene Selbstkritik lässt Mare allerdings nicht besser dastehen. Im Grund genommen bestand dieses Buch aus einer Aneinanderreihung von selbstsüchtigen Entscheidungen, die sie getroffen hat. Maven lässt die Neublüter jagen und töten, um an sie ranzukommen. Selbst nachdem klar wurde, dass er das nur wegen ihr tut, übernimmt sie keinerlei Verantwortung und überlässt diese Menschen einfach dem Tod. Nur um sich am Ende ihm zu ergeben, weil dieses Mal das Leben ihrer Freunde auf dem Spiel stand. Ihrem sogenannten besten Freund Kilorn gegenüber verhält sie sich wie ein undankbares Biest und an ihre Familie verschwendet sie (wie sie selbst im Buch zugibt) wochenlang keinen einzigen Gedanken, was einfach unglaublich kaltherzig ist.

Das Finale war wiederum ein deutlicher Pluspunkt des Buches. Der Teil als Mare ins Gefängnis einbrach und schließlich ihr Showdown mit Königin Elara war sehr spannend geschrieben. Obwohl ich weiß, dass ich Mare vermutlich nie leiden kann, werde ich die Reihe weiterlesen. Nachdem Mare am Ende von Maven gefangengenommen wurde, will ich einfach wissen wie es weitergeht.
 
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